Lyle McDonald Interview mit Greg O’Gallagher

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (18 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...
die_beste_diaet

Im Folgenden eine Zusammenfassung (ein Gastbeitrag von Anna Stefanova) des tollen Interviews mit Lyle McDonald, welches Einsichten in die wesentlichen Fragestellungen und Probleme von Diäten, insbesondere Low Carb, gibt.

5:00 Low Carb Diäten

In den 90er standen sich im Wesentlichen zwei Lager gegenüber: auf der einen Seite die Verfechter, welche Low Carb (LC) als das einzig Wahre und die Antwort auf alle Diätprobleme propagierten. Auf der anderen Seite, die Gegner, welche den Verzicht auf Kohlenhydrate schon fast als tödlich einstuften.
In der Praxis ist dieses Schwarz Weiß Denken jedoch nicht haltbar. Beobachtungen zeigen, dass  LC für einige sehr gut funktioniert, für andere jedoch weniger.

Im Buch „The Ketogenic Diet“  (http://www.bodyrecomposition.com/the-ketogenic-diet/), versuchte Lyle die Problematik so objektiv wie möglich aufzuschlüsseln, jedoch unterstellten ihm einige Kritiker darauf hin, ein Verfechter LCs zu sein. Seine eigentliche Intention bestand jedoch darin, hervorzuheben, was es zu beachten gilt, sofern man Kohlenhydrate reduziert.

Eine pauschale Aussage bzw. allgemeingültige Empfehlung für LC als Diät, ist nicht möglich, da sie nicht bei jedem gleich gut funktioniert. Zudem gibt es Phasen, in denen LC die optimalste Diätform ist und Phasen, in denen sie die schlechteste Wahl wäre.

11:10 Das eigentliche Problem

Das eigentliche Problem ist jedoch ein ganz anderes: Die Mehrheit der Menschen verlangt nach einfachen und unmissverständlichen  Methoden, die möglichst immer und für jeden gelten. Kommen zu viele Variablen ins Spiel, wird die Sache schnell kompliziert und abschreckend. Das machen sich natürlich auch die „Experten“ in der Branche zu nutzen und umjubeln regelmäßig die allerneuste und ultimative Diät, als Antwort auf alle Figurprobleme.

12:00 Höherer Eiweißanteil

Der eigentliche Vorteil der geringeren Kohlenhydratzufuhr, besteht darin, dass schlichtweg mehr Protein gegessen wird. Es verändern sich also auch die Makoverhältnisse. Mehr oder weniger unbewusst wird bei eher kohlenhydratlastiger Ernährung, weniger Eiweiß gegessen. Werden kohlenhydratreiche Lebensmittel nun reduziert, werden bspw. vermehrt sättigendes Gemüse und Fleisch gegessen. Aus diesem Grund funktioniert die Kohlenhydratrestriktion auch für diejenigen, die ihre Makroaufnahme nicht kontrollieren. In der Realität stellt dies nun mal die Mehrheit dar. Auch dies hat den LC Hype lange Zeit manifestiert. D.h., richtiger wäre die Sichtweise, statt Kohlenhydrate = ”böse”, besser Eiweiß = “gut”.

13:22 Einfache Ernährungsvorschriften

Ein weiteres Problem besteht in der Fehleinschätzung, wie viel Kalorien tatsächlich gegessen werden. Die Mehrheit möchte lieber genaue Anweisungen bzw. Ernährungspläne WELCHE Lebensmittel gegessen werden dürfen, anstelle selbst  Makros aufwendig zu tracken. Einfache Regeln funktionieren also für die große Mehrheit besser als aufwändige Mathematik.

14:00 Kritik an Low Carb (LC)

Ein wesentlicher Kritikpunkt an LC besteht darin, dass propagiert wird, man könne essen was man möchte, sofern man Carbs meidet. Das führt letztendlich zu einem falschen Verständnis dafür, weshalb LC funktionieren kann. Das Prinzip ist jedoch einfach: weniger Carbs > weniger kaloriendichte Lebensmittel > weniger Kalorien. Es läuft also immer wieder auf das Defizit hinaus. Einfach weniger Energie zuführen, als verbraucht wird. Das ist das ganze Geheimnis, jeder Diät.
Aufgrund des höheren Sättigungseffektes, ist es außerdem viel schwieriger, Gemüse und eiweißreiche Lebensmittel zu überessen.

Genauso kann es in einen negativen Effekt umschlagen. Denn Studien zeigen, dass Menschen dazu neigen mehr zu essen, wenn sie glauben etwas wäre “light” bzw. “low” irgendwas.
Bleibt also die Herausforderung den Menschen zu vermitteln, „Zählt alle eure Kalorien ganz genau“, anstelle der simplen Grundregel „Nur Kohlenhydrate machen dick“. Welche Methode lieber akzeptiert wird, ist naheliegend.

Endlich die besten Resultate ... und nicht mehr nur BlaBla?

​[100% kostenlos!] - 12-Lektionen E-Mail Kurs

Ich will 10 kg Muskeln maximal schnell aufbauen, Fett schmelzen lassen, die Wahrheit über Supplements erfahren - Erklärt mir, wie das alles genau funktioniert!

Ich will Fett verbrennen (ohne Jojo!), schlanke & straffe Muskeln, einen flachen Bauch, schöne Rundungen. - Zeigt mir, wie das WIRKLICH geht!

Ich will erst noch mehr Informationen zu diesem Kurs.

"Der Kurs war absolut überragend! Jeden Tag kamen neue Infos und ich konnte kaum bis zur nächsten Lektion abwarten.

Am Anfang war ich sehr skeptisch, weil normalerweise nur irgendwas verkauft werden soll und ich schlechte Erfahrungen mit solchen "Kursen" hatte.

Bei euch ist das aber nicht so! Mir haben die gut strukturierten Informationen enorm weitergeholfen. Die Qualität ist 100x höher als bei den ganzen kostenpflichtigen Produkten von anderen "Experten"!"

Michael 
Arzt aus München

17:20 Fehler beim Kalorienzählen

Das pedantische Kalorienzählen ist ein großes Hindernis der Umsetzbarkeit, allerdings unumgänglich. Portionsgrößen werden oft falsch eingeschätzt und auf Verpackungen finden sich auch nur Durchschnittswerte. Auch die Wahrnehmung für eine angemessene Portion hat sich in den letzten Jahren verschoben, da der Trend zu XXL anhält. Mittels exaktem Messen, kommt oft auch die Ernüchterung, was eigentlich eine “normale” Portion ist.

Gerade wenn in sehr niedrigen KFA Bereichen weitere Leanness angestrebt wird (bspw. bei Bühnenathleten), bleiben oft nur noch frustrierend wenig Kalorien. Nach einer gewissen Zeit konsequenten Zählens korrigiert sich die eigene Schätzung jedoch zunehmend, sodass das Tracken zur Routine wird.

21:15 Individuelle Reaktion auf Kohlenhydrate/ Insulinsensitivität

Aufgrund schlechterer Insulinsensitivität, reagieren Einige eher negativ auf high carb (HC), unabhängig von ihrem Aktivitätslevel. Sie werden oft träger, müder und wirken optisch aufgeschwemmt, kurzum ihnen geht es schlechter.
Vice versa gilt für Menschen mit hoher Insulinsensitivität. High Carb wirkt hier leistungssteigernd, aktivitätserhöhend und optisch leaner.

Siehe: Insulinsensitivität

23:50 Gehirn/Serotonin

LC kann u.U. auch zu depressiven Verstimmungen führen. Damit ist von vornherein klar, dass die Diät kaum durchzuhalten sein wird.

Aufgrund dieser individuellen Faktoren ist eine Pauschalempfehlung sinnlos. Zeigen sich nach einem Selbstversuch, die negativen Folgen, ist von LC abzuraten.

24:30 Unterschied Mann vs. Frau

Bei Frauen spielt der Zyklus als weiterer Einflussfaktor ebenfalls eine Rolle.

Genauer geht er hier nicht darauf ein, jedoch mehr dazu hier:

Bodyrecomposition.com – Adjusting the Diet
Bodyrecomposition.com – Impact of the menstrual cycle on determinants of energy intake (Reseach Review)

25:00 Umwelt

Sogar die Rahmenbedingungen, wie Umwelt und Gesellschaft nehmen Einfluss wie viel Kohlenhydrate optimal sind. D.h. es gibt Länder, in denen traditionell schon mehr Carbs gegessen und die Insulinsensitivität besser zu sein scheint.

26:00 Vorbilder

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Leute sich an Vorbilder bzw. Personen orientieren, für die eine Methode wie LC sehr gut funktioniert. Dies suggeriert, dass genau diese die beste und einzig funktionierende Lösung ist. Der individuelle Aspekt wird so jedoch ausgeblendet. Dies ist eine kognitive Verzerrung beider Seiten: nicht nur derjenigen, die solchen Vorbildern nacheifern, sondern auch derjenigen die ihre Methode teilweise regelrecht missionieren.

27:00 Markt

Es ist zudem ein relativ typisches Muster, dass zu einem populären Trend, ein Gegentrend etabliert wird. Polarisierung erregt schließlich Aufmerksamkeit. Als Fette verteufelt wurden und Kohlenhydrate noch unschuldig waren, entwickelte sich der LC Trend als der neue Heilsbringer.

28:40 “Die beste Diät”

Was ist nun die beste Diät? Kurzum: diejenige, die man am besten durchhält. Gerade bei Anfängern spielen Details kaum eine Rolle. Konsistenz hat Priorität. Wie so oft, führen viele Wege nach Rom und solange essenzielle Grundlagen eingehalten werden, sind Details nachrangig.

29:40 Habits

Die entscheidende Frage ist nun weniger WELCHE Diät WIE funktioniert, das ist bekannt. Sondern vielmehr WARUM fällt die Durchführung bzw. das Dranbleiben so schwer?

Das scheint ein wesentliches Problem in menschlichen Verhaltensmustern zu sein und beschränkt sich nicht nur auf Training und Ernährung. Die Antwort darauf würde eigentlich alle Probleme in diesem Kontext lösen und wäre für die große Mehrheit eine praktikable Lösung.

Fazit: Im Grunde werden schon die falschen Fragen gestellt, die dann zu wenig alltagstauglichen Methoden führen.

Auch aus diesem Grund sind Systeme wie Weight Watchers so erfolgreich. Sie setzten genau an diesem Punkt an, da es eine einfach umzusetzende Methode ist, die auf eine langfristige Verhaltensänderung abzielt.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass Nahrung lebensnotwendig ist. Man kann nicht einfach darauf verzichten, nur weil der Umgang damit schwerfällt. Ein Suchtkranker kann u.a. seine Sucht durch Abstinenz vom Suchtstoff bekämpfen. Das Ganze wird zudem erschwert, durch die permanenten Reize und verlockenden Versuchungen, denen man überall ausgesetzt ist.

36:45 Eigenverantwortung übernehmen

Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, kann man natürlich auch einfach Anderen die Schuld geben. Im Grunde wird das schon gesellschaftlich vermittelt, denn der Konsument soll bitteschön fleißig kaufen. Jedoch ist Eigenverantwortung der erste fundamentale Schritt. Zum einen dazu,  sich sein Problem einzugestehen und zum anderen die Voraussetzung für eine langfristigen Gewohnheitsänderung.

“You are the source of all your problems”

Fordert man nun Eigenverantwortung von den Menschen, wenn die Gesellschaft das Gegenteil vermittelt, macht man sich natürlich unbeliebt.

38:20 Was ist in einer Diät erfolgsversprechend?

Zu differenzieren ist hier die Ziel- vs. Prozessorientierung:

Oftmals fokussieren sich die Leute auf ein bestimmtes Wunschgewicht, welches selbstverständlich so schnell und bequem wie möglich erreicht werden soll (zielorientiert). Langfristig Erfolgsversprechender ist jedoch, einfach eine allgemeine Verbesserung der eigenen Fitness anzustreben. Die körperliche Veränderung geht dem ohnehin einher.

Mehr dazu hier:

Goal vs. Process Oriented Training: Part 1

Goal vs. Process Oriented Training: Part 2

Eine aktuelle Studie zeigt auch, dass kurze, harte Diäten für eine langfristige Veränderung erfolgreicher sind. Da Menschen tendenziell schnelle Erfolge erwarten, ist eine schnelle, sichtbare Veränderung viel motivierender.

Etwas das wir auch in der HSD beschreiben.

Auch Methoden, die bestimmte Lebensmittel in “gut” und “schlecht” einteilen, sind langfristig zum Scheitern verurteilt. Restriktionen in der Lebensmittelauswahl führen nur zu um so größerem Verlangen nach diesen.

Das was uns komplett verwehrt wird, wollen wir umso mehr.

Folge können Heißhungerattacken sein, die eine Diät tatsächlich zu Nichte machen. Mit gelegentlichen, im Rahmen bleibende (!) freie Mahlzeiten/Abweichungen besteht diese Gefahr nicht. “Cheat Days” können bei vielen in Katastrophen enden.

Extreme funktionieren langfristig kaum. Stattdessen sollte in einer Diät ein gewisser Spielraum neben grundlegenden, qualitativen “Kontrollpunkten” und Regeln bestehen (“controlled flexible dieting”).

Fazit: Die beste Diät ist die, deren man sich nicht bewusst ist. Dies reduziert den psychologischen Stress und verleitet zu langfristiger Veränderung

50:00 IIFYM

IIFYM ist eigentlich genau dieser Ansatz, wird jedoch von gewissen obsessiven Anhängern zur Rechtfertigung missbraucht, sich regelrecht mit Junk Food vollzustopfen. Somit wieder ein nicht zielführendes Extrem.

Stattdessen ist es so anzuwenden, dass ein gewisser Anteil der Energiezufuhr gelegentlich auch “junk” sein darf. Der überwiegende Teil sollte selbstverständlich nährstoffreich sein. Es geht also nicht darum so viel wie möglich zu “cheaten”. Stattdessen senkt allein die Option, dass die geliebte Schokolade jederzeit gegessen werden darf, den psychologischen Stress. Das permanente Gedankenkarussell ums Essen und das Verlangen nach den vermeintlichen “bösen Lebensmitteln” wird reduziert.

Mehr siehe:

58:00 Volumen vs.Intensität

Das typische BB Training, welches oft auch von dem durchschnittlichen Freizeitsportler zum Vorbild genommen wird, basiert eher auf hohem Volumen. Auch hier verleitet die Nachahmung an Vorbildern mit dicken Bizeps zu suboptimalen Lösungen. Sofern Anabolika im Spiel ist, ist dieses hohe Trainingsvolumen leichter zu regenerieren. Im naturalen Bereich ist der Fokus auf Kraftsteigerung viel wichtiger.

Siehe dazu: Kraft ist Muskelmasse

Über Anna:

AnnaAnna ist seit vielen Jahren leidenschaftliche Läuferin. Sie liebt den Marathon, aber läuft noch mit viel mehr Begeisterung über Berge und durch Wälder. Verletzungsbedingt ist sie zum Krafttraining gekommen und versucht nun Beides unter einen Hut zu bekommen.

Sie hat außerdem über 12 Jahre Ballett getanzt. Sport ist definitiv kein Fremdwort für sie.

Beim Einstieg ins Fitnesstraining fiel ihr immer wieder auf wie viel widersprüchliche Informationen zu Training und Ernährung kursierten. Was stimmt wirklich? Gerade Frauen finden kaum verlässliche Antworten für ihre spezifische Fragestellungen – nur unzählige Mythen und leere Behauptungen.

In der Fitnessindustrie wird offensichtlich kaum geholfen. Ganz im Gegenteil: Unsicherheiten und Ängste werden von der Branche gezielt ausgenutzt, um schlechte und teilweise schädliche Programme zu verkaufen. Das will sie ändern.

Autor: Anna

Du willst sofort durchstarten?

Perfekt! Nichts ist besser, als heute anzufangen.

Welches Ziel/Programm ist das Richtige für dich? Je nach Körperfettanteil, Trainingsstand und deiner Alltagssituation sind unterschiedliche Diät- und Trainingsprogramme ideal für deinen Fortschritt.Welches Programm genau zu dir passt, erfährst hier:

Welches Ziel/Programm ist das richtige für dich?

Noch unsicher? Lass dich beraten Du willst wissen, was du genau machen musst, um dein Ziel zu erreichen? Welche Übungen du austauschen kannst oder wie deine Ernährung genau aussehen soll? Lass dich hier im Forum beraten. Im Forum helfen dir viele kompetente Leser sehr schnell weiter. Viele sind sogar hauptberuflich Trainer, Ärzte, Berater oder Physiotherapeuten.


KOMMENTARE

Es gelten die Kommentarregeln!