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Sind teure Mikronährstoffpräparate ihr Geld wert?

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Neuestes Update: Feb, 2017  || 

In letzter Zeit wird das Thema Mikronährstoffe sehr heiß gekocht. Es werden oft sehr teure Mikronährstoffpräparate beworben, die dich gesünder, leistungsfähiger machen sollen oder dir scheinbar mehr Energie versprechen.

Aber stimmt das wirklich? Was ist dran an diesen Behauptungen?

Es ist zum Teil unerträglicher Unsinn, was in diversen Medien behauptet wird. Höchste Zeit für ein paar Fakten!

Bevor du mehr zu dem Thema erfährst, müssen wir erst einmal klären: Was sind Mikronährstoffe?

Was sind Mikronährstoffe?

Mikronährstoffe sind Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Beispiele dafür sind Vitamin B6, -B1, -B12, -A, -E, -D, -K, uvm., Kalzium, Magnesium, Natrium, Kalium, Selen, Zink, Eisen, Flavonoide, Carotinoide, Sulfide etc.

Ein Teil dieser Mikronährstoffe ist essenziell. Sie können vom Körper nicht selber hergestellt werden und müssen über die Ernährung zugeführt werden.

Mehr zu Mikronährstoffen hier: „Was sind Mikronährstoffe?

Brauchst du wirklich ein Mikronährstoff-Supplement?

Sofern du dich gesund ernährst mit einer Vielzahl von unverarbeiteten pflanzlichen und tierischen Produkten, bist du sehr wahrscheinlich gut mit Mikronährstoffen versorgt.

Bei einer öfters schlechten Ernährung (wenig Obst, Gemüse und zu wenig tierische Lebensmittel), oder einem erhöhten Bedarf als Sportler, kann ein Mikronährstoffsupplement „als Versicherung“ sinnvoll sein.

Wenn du es ganz genau nimmst, kannst du mal einen typischen Tag deiner Ernährung durchrechnen:

Mehr zu dem Thema, ob du überhaupt ein Mikronährstoffsupplement brauchst in „Multivitamin-/Mineralstoffpräparate (Mikronährstoffpräparate)

Welche Mikronährstoffe können wir nicht über die Ernährung decken?

Mikronährstoffe, die in unserer westlichen Ernährung oft zu wenig zugeführt werden, sind Vitamin D, Vitamin K2, Magnesium, Zink, Kalzium und Eisen. Die Versorgung ist jedoch je nach Ernährung individuell unterschiedlich. Sofern du dich gut ernährst und viel Tageslicht abbekommst, musst du nicht unbedingt Mikronährstoffe von außen zuführen, um optimal versorgt zu sein.

Sofern du einen erhöhten Bedarf hast (Schwangerschaft, Athlet) oder eine verminderte Zufuhr (Veganer, oft schlechte Ernährung), empfehlen wir generell ein einfaches Multivitamin-Präparat, um auf der sicheren Seite zu sein. Falls du mal gehört hast, dass Multivitamintabletten schädlich sein sollen, lies dazu unseren Artikel: „Multivitamin-/ Multimineralpräparate

Brauche ich „natürlich Formen“, die auch wirklich aufgenommen werden?

Gerne wird damit geworben, dass herkömmliche Mikronährstoffe nicht gut vom Körper aufgenommen werden könnten.

Aber …

Die Herkunft eines Mikronährstoffs ist komplett egal.

Das ist zwar ein hervorragender Marketingtrick, um dir das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat jedoch nicht viel mit der Realität zu tun. Ein Molekül oder eine chemische Verbindung ist genau dieses Molekül oder diese chemische Verbindung unabhängig davon, wie sie hergestellt wurde! Es ist deinem Körper egal, ob ein Molekül aus Pflanzen extrahiert wurde oder ob es synthetisch hergestellt wurde. Er erkennt nur das Endprodukt und verwendet es entsprechend seiner Funktion. Selbst minimale Veränderungen an einem Molekül würden sofort zu einem völligen Verlust der Funktion führen!

Wenn du glaubst, die Atome besäßen „andere Schwingungen“ oder eine „gewisse Energie“, können wir an dieser Stelle nicht weiterhelfen. Du bist hier wahrscheinlich falsch abgebogen. Allerdings ermuntern wir dich, Biochemie oder Medizin zu studieren und deine Theorie in der Forschung der kritischen Prüfung auszusetzen. Sofern du diese Ansichten mit stichhaltigen Daten belegen kannst, wirst du reich und berühmt werden. Der Nobelpreis für Medizin, Chemie oder Physik wird dir ebenfalls sicher sein. Wenn du Fakten für eine neue Sichtweise hast, ist es deine Aufgabe diese zu belegen. Sonst könnte jeder behaupten: „Es gibt fliegende lila Elefanten – Du musst mir beweisen, dass wir unrecht haben!“ (engl. „Evidence of Absence„)

Aber: Unterschiedliche Formen von Mineralien werden unterschiedlich gut aufgenommen!

Mineralien wie Magnesium, Kalzium, Kalium, Zink etc. kommen in Präparaten nicht in elementarer Reinform vor, sondern in Form von Oxiden, Citrat, Gluconat oder Asparat. Bei diesen Formen gibt es in der Tat unterschiedliche Resorptionsverhalten.

Beispielsweise werden bei Magnesiumoxid nur 4-5% des zugeführten Magnesiums aufgenommen.[1] Bei Magnesiumcitrat sind es immerhin 25-30%. [2]  [3] Allerdings werden auch bei einer normalen gemischten Ernährung „nur“ 20-30% des in der Nahrung verfügbaren Magnesiums aufgenommen.

Deshalb solltest du bei Mineralien ein Auge auf die chemische Verbindung werfen. Oder noch simpler – einfach mehr einnehmen (wenn es keine Nebenwirkungen, wie Diarrhoe bei Magnesiumoxid gibt).

Letzteres ist z. B. bei Kreatin der Fall. Statt ein teures Spezialprodukt einzunehmen, dass evtl. sogar etwas besser aufgenommen wird, kannst du einfach 1 g mehr Kreatin-Monohydrat zu dir nehmen. Du gibst nur einen Bruchteil aus, aber hast exakt den gleichen Effekt.

Ansonsten sind uns keine Probleme mit den Aufnahmeraten der Mikronährstoffe bei billigeren Präparaten bekannt. Es ist ganz normal, dass immer nur ein gewisser Anteil der Inhaltsstoffe am Ende „bioverfügbar“ sind.

Es besteht generell kein Problem, dass bestimmte Mikronährstoffe aus einfachen Präparaten nicht aufgenommen werden würden. Es gibt natürlich ein finanzielles Interesse daran, dich vom Gegenteil zu überzeugen.

Unterschiedliche Aufnahme bei Vitaminen

Auch bei Vitaminen gibt es Unterschied – das spielt aber selten eine Rolle in der Praxis.

So sollte z. B. Vitamin D3 und nicht Vitamin D2 supplementiert werden. [4] Da aber generell D3 (sowohl in billigen als auch in teuren Produkten) verkauft und empfohlen wird oder die hat das keine praktische Relevanz.

Auch für viele anderen Vitaminen werden sowohl in  billigen als auch teuren Mikronährstoffpräparaten dieselben Substanzen verwendet. Einige Beispiele:

  • Vitamin C als Ascorbinsäure
  • Vitamin B12 als Cyanocobalamin
  • Vitamin D3 als Cholecalciferol
  • Vitamin E als α-Tocopherol

Mal abgesehen davon, dass deine Versorgung durch eine gute Ernährung bereits abgedeckt ist, besteht auch hier kein Grund, teure Supplements als überlegen anzupreisen.

Was ist (meistens) besser als ein „natürliches“ Supplement? Echte Lebensmittel!

In der Ernährungswissenschaft sind viele Mikronährstoffe aus Lebensmitteln noch gar nicht bekannt! Ganz zu schweigen von den Interaktionen dieser Mikronährstoffe miteinander. Stoffe wie Bor oder Inositol scheinen wichtige bis essenzielle Rollen im Körper einzunehmen. Aber wir werden noch viele Jahre lang forschen müssen, bis ihre Rolle entschlüsselt ist.

Deswegen gibt es auch keinen kompletten „Nahrungsersatz“. Die Hersteller von „Mahlzeitenersatz“ (engl. „Meal Replacement Products“) sind extrem vorsichtig mit ihren Behauptungen und empfehlen ihre Produkte nur als Bestandteil einer „ausgewogene Ernährung“. Man weiß einfach nicht, was noch alles an essenziellen und hilfreichen Stoffen in unseren Lebensmitteln steckt.

„Ich fühle mich viel besser, seit dem ich XY einnehme!“

Solche Aussagen hörst du vermutlich öfters, gerade von den Herstellern oder Verkäufern.

Anekdotische Evidenz wie diese ist höchst gradig problematisch. Denn sie ist komplett subjektiv, nicht zu überprüfen und immer massiv anfällig für den Placebo-Effekt. Es hat einen Grund, warum genau damit gearbeitet wird.

Selbst wenn sich die Leute wirklich nach der Einnahme eines Produktes „besser fühlen“, beheben sie vielleicht lediglich einen Mangelzustand. Gleiches ist mit jedem billigen Mikronährstoffpräparat ebenfalls möglich.

Oder es lag daran, dass sie in letzter Zeit häufiger in die Sonne gegangen sind, weniger Stress hatten und häufiger Sport getrieben haben. Ohne eine kontrollierte Untersuchung kann man es nicht wissen.

Warnzeichen: Für gewisse Zutaten werden unhaltbare Versprechen gegeben – Beispiel „Mangosteen“

Bei teuren Nahrungsergänzungsprodukten wird oft mit ein paar „besonders wertvollen“ Inhaltsstoffen geworben. Viele Studien werden angeführt, damit es legitim aussieht. Schaut man sich aber diese Untersuchungen genauer an, bricht alles zusammen.

Mangosteen (aus der Mangostan Frucht) ist ein sehr schönes Beispiel für einen derartigen „überhypten“ Inhaltsstoff. Angeblich soll Mangosteen eine ganze Reihe von potenziell positiven Effekten haben:

  • entzündungshemmend
  • gegen Pilze (antifungal) wirken
  • gegen Bakterien (antimikrobiell) wirken
  • gegen Viren (antiviral) wirken
  • Allergien reduzieren
  • usw.

Die wissenschaftliche Evidenz gibt das aber bei Weitem nicht her.[5] Die Forscher kommen zu folgender Aussage:

Various health-promoting activities of xanthones in the pericarp of mangosteen fruit have been described by numerous investigators using in vitro cellular models. During the past several years, anti-tumorigenic and anti-inflammatory activities of xanthones have been demonstrated in laboratory rodents. Controlled intervention trials of the efficacy of xanthones in human volunteers, as well as characterization of the absorption, metabolism and elimination of these compounds, remain quite limited. Also, the potential toxicity of chronic ingestion of formulations containing mangosteen pericarp and its extracts has received minimal attention. Despite the numerous health claims on advertising sites for producers and retailers of products and beverages containing mangosteen, there is insufficient scientific evidence at this time to support the use of mangosteen containing supplements as enhancers of health and useful adjuvants for treatment of various pathophysiological illnesses.

Kurzum: Es gibt keine Beweise für die Wirksamkeit im Menschen und (noch wichtiger) es gibt es keine Untersuchungen zur langfristigen Sicherheit im Menschen. Wir wissen also nicht, ob eine langfristige Aufnahme von Mangosteen Extrakten toxische Effekte haben könnte.

Autor: Johannes

Noch unsicher welches Ziel/Programm das Richtige für dich ist? Was du am besten tun solltest, erfährst hier:

Welches Ziel/Programm ist das richtige für dich?

Quellen / Literatur

  1. Firoz M, Graber M. Bioavailability of US commercial magnesium preparations. Magnes Res. 2001 Dec;14(4):257-62. PubMed PMID: 11794633. zum Zitat im Text
  2. Lindberg JS, Zobitz MM, Poindexter JR, Pak CY. Magnesium bioavailability from magnesium citrate and magnesium oxide. J Am Coll Nutr. 1990 Feb;9(1):48-55 PubMed PMID: 2407766 zum Zitat im Text
  3. Walker AF, Marakis G, Christie S, Byng M. Mg citrate found more bioavailable than other Mg preparations in a randomised, double-blind study. Magnes Res. 2003 Sep;16(3):183-91. PubMed PMID: 1459632 zum Zitat im Text
  4. Houghton LA, Vieth R. The case against ergocalciferol (vitamin D2) as a vitamin supplement. Am J Clin Nutr. 2006 Oct;84(4):694-7. PubMed PMID: 17023693. Link zum Zitat im Text
  5. Gutierrez-Orozco F, Failla ML. Biological activities and bioavailability of mangosteen xanthones: a critical review of the current evidence. Nutrients. 2013 Aug 13;5(8):3163-83. doi: 10.3390/nu5083163. Review. PubMed PMID: 23945675; PubMed Central PMCID: PMC3775248. Abstract Volltext zum Zitat im Text

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